31 Tage der jüdischen Kultur Chemnitz
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VORWORT

Un ir shteyt un kukt azoy zikh
Mit farleygte hent,
Un ir shteyt un kukt azoy zikh –
Undzer shtetl brent!

Und ihr steht und blickt um euch
Mit verschränkten Armen,
Und ihr steht und blickt um euch –
Unser Schtetl brennt!

Als wir im Dezember dieses Motto der 31. Tage der jüdischen Kultur erwählten, hatte niemand von uns eine Vorstellung, welche Dimension diese Zeilen von Mordechai Gebirtig bekommen haben würden. In seinem Lied „Undzer Shtetl brent“ oder auch nur „s´brent“ genannt singt der Krakauer Liedersänger und jiddische Komponist prophetisch von den antisemitischen Pogromen in der heute untergegangenen Schtetl-Welt Polens 1936 und ruft zu Widerstand auf.

Wir hatten zunächst besorgt die Landratswahlen in Sachsen, die selbsternannte Querdenker-Bewegung, die allwöchentlich unbekümmert zusammen mit der neuen Rechten auf die Straße geht und die allgemein eher bedrohliche politische Stimmung in Sachsen, im Sinne gehabt. Die Brücke zu Gebirtig schlug außerdem die Beteiligung unseres Vorsitzenden und Mitverfassers dieser Zeilen, Egmont Elschner, an der interkulturellen Kammeroper „Undzer Shtetl brent“ Anfang Dezember letzten Jahres in Köln. Wir freuen uns Ihnen diese Produktion, sowie weitere besondere Aufführungen rund um das Werk Mordechai Gebirtigs ankündigen zu können! Die surreale Oper basiert auf den Gedichten, die Gebirtig in den Jahren 1941/42 im Krakauer Ghetto schrieb und, soweit wir wissen, nie vertonte. Am 4. Juni 1942 wurde der 65-jährige Mordechaj Gebirtig von einem deutschen Besatzungssoldaten auf offener Straße erschossen. 80 Jahre...

Gebirtigs Zeilen jedoch erscheinen nun angesichts des Kriegs gegen die Ukraine wieder bedeutungsvoll prophetisch: „Die Hilfe liegt alleine in euren Händen, wenn euch das Shtetl teuer ist, nehmt die Eimer, löscht das Feuer, löscht mit eurem eigenen Blut, beweist, dass ihr das könnt.“

Über jüdischen Widerstand ist hier mehr zu sprechen. Rache. Und wer denkt da nicht an den Verteidigungskampf der Ukraine? An den verzweifelt hilfesuchenden ukrainischen Präsidenten Selenskyj, der immer wieder die Untätigkeit des Westens anklagt. Ist es nicht angesichts der Greuel des Krieges lächerlich und gefährlich, dass sich gerade Deutschland auf wirtschaftliche Interessen zurück zieht? Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit gilt wohl nur im Interesse des eigenen Staatsvolkes?

Wie wir wissen wurden nie im Handstreich Milliarden zur Ausrottung des Hungers auf der Welt in die Wirtschaft gepumpt, wie es die Industriestaaten in der Pandemie ohne viel Diskussionen taten. Und nie wurden Flüchtende so willkommen geheißen, wie jetzt als dieser schreckliche Krieg weiße, blonde Europäer zu uns trieb. Und wieder ohne große Diskussionen mal eben 100 Milliarden in die Rüstung. Keine lange Debatte, nicht zur Zeitenwende, nicht nach den Hilferufen des ukrainischen Präsidenten. Nach Adorno gab es nur eine Maxime: Nie wieder Auschwitz. Hier waren Interessen zum Völkermord pervertiert. Jedoch Völkermord fand und findet weiter statt! Während wir die Arme verschränken und das russische Gas den Kessel feuert. Man könnte den Glauben verlieren und die Hoffnung – bleibt nur die Liebe. Die Liebe zur Kunst allemal!

Egmont Elschner und Chris Münster

AKTUELL

LESUNG UND EMPFANG
Peter Wortsman
16. Juni | 19 Uhr
fällt leider aus

Der Eintritt ist frei, sofern nicht anders angegeben!

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